Homunculus

HOMUNCULUS

Der Homunculus ist ein Modell in der Neuroanatomie, was die Repräsentation von Körperteilen in der Großhirnrinde des Gehirns beschreibt. Vereinfacht kann man sich den Homunculus wie eine detaillierte Landkarte unseres Körpers, die in unserem Gehirn gespeichert ist, vorstellen. Dort ist genau abgespeichert wo sich dein linker Zeigefinger befindet, welchen Reizen dieser gerade ausgesetzt ist, in welcher Position sich jedes einzelne seiner Gelenke befindet und wie du ihn strecken, beugen oder kreisen kannst.

Im sensorischen Homunculus werden Sinnesmodalitäten wie z.B. Berührung, Druck, Vibration und Temperatur verarbeitet und im motorischen Homunculus wird die willkürliche Bewegungen gesteuert. Je mehr Sensoren oder Neuronen ein Körperteil hat, umso größer wird er im Homunculus abgebildet. So nehmen die Hände ein größeres Areal ein als die Schultern.

Bei chronischen Schmerzen verändert sich die Repräsentation des schmerzenden Körperteils im Homunculus in dem sie größer wird, sich verzerrt oder verschiebt. Das Ausmaß der Veränderungen ist eng mit dem Chronifizierungsstadium und der Intensität der Schmerzen verknüpft. Unter anderem hängen sie auch von der Höhe der Aufmerksamkeit auf den Schmerz ab.

Das Gute dabei ist, dass diese Veränderungen im Homunculus reversibel sind. Ein ausschließlich manueller Therapieansatz wie z.B. Manuelle Therapie, Muskel- oder Faszienbehandlungen sind hier allerdings oft wenig zielführend, da sie die neurologischen Veränderungen kaum berücksichtigen. Um dem Teufelskreis der chronischen Schmerzen mit seinen vielschichtigen Einflussfaktoren zu entkommen, sind oft mehrere Ansatzpunkte erforderlich.

Hier haben sich die Therapieansätze mittlerweile an die wissenschaftlichen Erkenntnisse angepasst. Gezieltes sensomotorisches (Kraft)Training ist hier ebenso wichtig wie speziell dafür entwickelte Therapiekonzepte wie z.B. Graded Motor Imagery (GMI). Bestimmte Entspannungstechniken können beruhigend auf das Nervensystem einwirken und die Reizweiterleitung positiv beeinflussen. Je nach psychischer Belastung bzw. Beteiligung kann eine Psychotherapie unterstützend äußerst hilfreich sein.